1–13: Die Zufluchtsstädte
Wenn der HERR, dein Gott, die Heiden ausrottet, deren Land dir der HERR, dein Gott, geben wird, und du ihr Land einnimmst und in ihren Städten und Häusern wohnst,
so sollst du dir drei Städte aussondern in deinem Lande, das dir der HERR, dein Gott, gibt einzunehmen.
Und sollst dir den Weg dahin bereiten und die Grenzen deines Landes, das dir der HERR, dein Gott, austeilt, in drei Teile teilen, daß dahin fliehen könne ein jeglicher Totschläger.Das aber ist die Sache mit dem Totschläger, der dahin fliehen soll, daß er lebe: wer seinen Nächsten unversehens schlägt und ihn zuvor nicht gehaßt hat,
wie wenn jemand mit seinem Nächsten in den Wald geht, Holz zu hauen, und seine Hand fährt mit der Axt aus, das Holz zu hauen, und das Eisen fährt vom Stiel und trifft seinen Nächsten, daß er stirbt: der soll in eine dieser Städte fliehen, daß er lebe;
auf daß der Bluträcher nicht dem Totschläger nachjage, solange sein Herz erhitzt ist, und ihn ergreife, weil der Weg weit ist, und ihn töte, da er doch nicht des Todes schuldig ist, weil er ihn zuvor nicht gehaßt hat.
Darum gebiete ich dir und spreche: Du sollst dir drei Städte aussondern.Wenn aber der HERR, dein Gott, deine Grenze erweitern wird, wie er deinen Vätern geschworen hat, und dir alles Land geben wird, das er deinen Vätern zugesagt hat,
wenn du alle diese Gebote hältst und tust, die ich dir heute gebiete, daß du den HERRN, deinen Gott, liebst und wandelst in seinen Wegen dein Leben lang, so sollst du dir zu diesen drei Städten noch drei andere hinzufügen,
auf daß unschuldiges Blut nicht vergossen werde in deinem Lande, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe gibt, und auf dir keine Blutschuld sei.Wenn aber jemand seinen Nächsten haßt und lauert ihm auf und macht sich wider ihn und schlägt ihn, daß er stirbt, und flieht in eine dieser Städte,
so sollen die Ältesten seiner Stadt hinsenden und ihn von dort holen lassen und ihn dem Bluträcher in die Hand geben, daß er sterbe.
Dein Auge soll ihn nicht schonen, und du sollst das unschuldige Blut von Israel wegtun, auf daß es dir wohl gehe.
14: Achtung der Grundstücksgrenzen
Du sollst die Grenze deines Nächsten nicht verrücken, die die Vorfahren gesetzt haben, in deinem Erbe, das du erben wirst im Lande, das dir der HERR, dein Gott, gibt einzunehmen.
15–21: Zeugen und falsches Zeugnis
Ein Zeuge soll nicht wider jemand aufstehen über irgendeine Missetat oder Sünde, die er tut; sondern auf zweier oder dreier Zeugen Mund soll eine Sache stehen.
Wenn ein falscher Zeuge wider jemand aufsteht, daß er ihn einer Übertretung beschuldige,
so sollen beide Männer, zwischen denen der Streit ist, vor den HERRN treten, vor die Priester und Richter, die zu der Zeit sein werden.
Und die Richter sollen fleißig forschen; finden sie, daß der Zeuge ein falscher Zeuge ist und falsch wider seinen Bruder gezeugt hat,
so sollt ihr ihm tun, wie er gedacht hat, seinem Bruder zu tun; also sollst du das Böse aus deiner Mitte wegtun.
Auf daß es die andern hören und sich fürchten und nicht mehr solche böse Tat unter euch tun.Und dein Auge soll nicht schonen: Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß.
Deuteronomium 19 regelt das Rechtswesen Israels in drei Kernbereichen:
- Zufluchtsstädte zum Schutz vor Rache bei unabsichtlicher Tötung
- Unverletzlichkeit von Eigentumsgrenzen
- Gerichtliche Wahrheitssicherung durch mehrere Zeugen und harte Sanktionen gegen falsches Zeugnis
Ziel ist es, Gerechtigkeit mit Barmherzigkeit zu verbinden und Blutschuld zu vermeiden.
- Unterscheidung von Schuld: Das Gesetz differenziert klar zwischen Unfall und Mord – bemerkenswert differenziert für seine Zeit.
- Begrenzung der Blutrache: Die Zufluchtsstädte bremsen Eskalation und schützen Unschuldige.
- Schutz von Eigentum und Ordnung: Grenzverschiebung ist kein Kavaliersdelikt, sondern sozialer Diebstahl.
- Wahrheit als Fundament der Gemeinschaft: Falsches Zeugnis zerstört Vertrauen; daher die strengen Konsequenzen.
- „Auge um Auge“: Nicht als Aufruf zur Rache, sondern als Maßregel zur Begrenzung von Strafe auf angemessene Verhältnismäßigkeit.
Theologisch zeigt sich ein Gott, der Rechtssicherheit, Menschenwürde und Verantwortlichkeit ernst nimmt.
- Wie wirkt das Konzept der Zufluchtsstädte im Vergleich zu heutigen Rechtssystemen?
- Wo verläuft heute die Grenze zwischen Gerechtigkeit und Rache?
- Wie relevant ist das Thema falsches Zeugnis in Zeiten von Social Media und öffentlicher Meinung?
- Was bedeutet „Auge um Auge“ in einem ethischen, nicht wörtlichen Sinn?
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